TIP MAGAZIN

 

Dayna Kurtz

 Beautiful Yesterday

(Munich/Indigo)

 

Die neue Nina Simone

 Spotlight to Dayna Kurtz! Ausgehend von einer sicheren, aber nicht dogmatisch-starren Blues-Jazz-Basis singt sich hier ein Riesentalent mit angerauter, gänzlich un- sentimentaler Stimme ganz nach vorn. DieBalladenform bevorzugend und mit betont frugalen, aber differenzierten Arrangements arbeitend, drückt Dayna Kurtz – einmal auch im Duett mit Norah Jones – starken Songs aus höchst verschiedenen Qualitätsquellen ihren stimmlichen Stempel auf. Vorlagen von Duke Ellington, Billie Holiday, Prince und Leonard Cohen ergeben einen detailreichen, aber bruchlosen Reigen von Nach-Mitternachts-Musik. Den alten Mary-Hopkin-Hit „Those Were The Days“ entkleidet sie aller Naivität, während „Amsterdam Crown“ und der Titelsong sofort von Tom Waits übernommen werden sollten. Und nichts an dieser hoch komplexen Musik klingt mühsam erlernt. Mit ihrer Vielseitigkeit und Vortragstiefe erinnert Dayna Kurtz auffällig an Nina Simone, deren schweres Erbe sie hier mit imponierender Mühelosigkeit antritt. HJG

 

 

STEREOPLAY 07/04

DAYNA KURTZ

BEAUTIFUL YESTERDAY

 

"Featuring Norah Jones" verkündet ein Sticker auf der Cellophanhülle dieser CD. Nötig wäre das nicht, besitzt Dayna Kurtz doch genug Persönlichkeit und Potenzial, um ihren Weg allein zu gehen. Andererseits: Auf dem Parcours durch das Nadelöhr der Medien und des Handels bleibt soviel gute Musik auf der Strecke - wenn also die prominente Patin des momentanen Jazzpop-Booms hier ein wenig Schützenhilfe leistet, soll's nur recht sein. Lieder zwischen Jazz und Blues stehen auch bei Dayna Kurtz auf dem Spielplan, allerdings mit deutlichem Hang zu schwermütigen Blues-Arrangements. Sogar ein jazzlastiger Song wie das selbstkomponierte "Love Where Did You Go?" kommt hier so dunkel und gebeugt daher, dass es eher nach New-Orleans-Beerdigungsmusik klingt als nach geschmackvollem Barjazz für die Blaue Stunde. Den gibt's aber auch, etwa in "Left Alone" mit zärtlichst das Becken streichelnden Schlagzeugbesen und dem herrlich dezent aufspielenden Peter Vitalone am Piano. Im Titelsong "Beautiful Yesterday" hingegen mit seinen schleppenden Drums und finsteren, tiefen Streichern klingt die Amerikanerin eher wie ein weibliches Pendant zu Tom Waits. Die Lieder dazwischen weisen Dayna Kutz als große Vokalistin vom Schlage einer Rickie Lee Jones aus - und die Schwermut und die Lebenserfahrung, mit der sie den Gassenhauer "Those Were The Days" vorträgt, erinnert fast an eine Edith Piaf. Das Ohr verwöhnt diese Scheibe schließlich mit einem fast "analogen" Klangbild: sehr intim, sehr warm, gar nicht mal klinisch sauber - dafür aber angenehm unprätentiös und "lebensnah".

[Insiderinfo: Ihr Gastspiel gibt Norah Jones in „I Got It Bad“ am Piano und als Duettsängerin – und man braucht schon etwas Wohlwollen, um ihr in diesem Direktvergleich noch ein Remis zuzugestehen...]

Musik:8-9, Klang: 9, Repertoire: 8

 Christof Hammer

 

 

 

HAMBURGER MORGENPOST:

Dayna Kurtz

Kati Hofacker

 

Beautiful Yesterday

Wenn auf einer Platte "Featuring Nora Jones" draufsteht, sollte man aufmerken. Frau Jones spielt seit ihren sechs Grammys nicht mehr überall mit. Für Dayna Kurtz und deren Album "Beautiful Yesterday" machte sie eine Ausnahme. Darüber sind wir froh, denn ohne den prominenten Gaststar hätten wir diese Perle der Liedkunst vielleicht übersehen!

Dayna Kurtz ist groß - und leise. Sie pflegt das Genre "Frau mit Gitarre", mit sehr, sehr tiefer Stimme der Marke Bar-Chanteuse. Sie glänzt dazu mit völlig ungewöhnlichen Liedern zwischen Marshall Chapman und Tom Waits, zwischen Blues, Beth Orton und Folk, zwischen Leonard Cohen und Jazz, zwischen Tanzdiele in den 60-ern, Memphis und Harlem-Bars der Fourties. Ihre Lieder sind kleine Erzählungen von lyrischer Tiefe und Melancholie, manchmal tief und getragen, dann wieder rastlos und suchend. Dabei interpretiert Kurtz nicht nur eigene Stücke. Ihre Coverversionen von Prince ("Joy In Repetition") über Leonard Cohen ("Everybody Knows") bis hin zum Klassiker "Those Are The Days" (mit eine wundervollen "Drunken Chorus") klingen in Kurtz' sparsamer Interpretation wie eigene Songs. Verrückt. Und schön! Hier muss man nicht mehr viel sagen: Das ist Musik. Analog, androgyn, echt, tief und intensiv, traurig und dunkel. Norah-Jones-Fans (sie singt bei "I Got It Bad" mit), Marshall-Chapman-Freunde, Lucinda-Williams- und Patti-Scialfa-Liebhaber, die eine Reise ins verrauchte Barmilieu unternehmen möchten: kaufen, kaufen, kaufen!

 

 

AUDIO 07/04 (Audio-Tipp des Monats)

Es könnte helfen, dass die US-Singer/Songwriterin Dayna Kurtz im grandiosen Duett "I Got It Bad" durch Norah Jones kongenial unterstützt wird. Nötig sollte es nicht sein. Die polyglotte, in New Jersey lebende Frau hat eine passionierte, satt und tief grundierte Stimme, spielt top Gitarre, schreibt starke Songs wie das im New-Orleans-Groove gehaltene "Love Where Did You Go" und beweist Stil in der Wahl fremder Stücke, von Billie Holidays "Left Alone" über Leonard Cohens "Everybody Knows" bis zum hibbelig bluesy gestalteten "Joy In Repetition" (Prince). Selbst dem abgenudelten "Those Were The Days" gibt Dayna Kurtz unsentimentale Frische, dem Titeltrack brütende Düsternis; die Crew zelebriert vom Blues-Lamento bis zum Chanson alles mit Feuer und Finesse. Und wenn "Musicbox" blechern scheppert, ist's Absicht und Ausnahme im sonst brillant warmen, organischen Klangbild.

 Musik: 5 Ohren   Klang: 4-5 Ohren  ( + Prädikat: Klang-Tipp )

 Toll klingende Songwriter-CD mit Anleihen bei Blues, Jazz, Chanson

 

ROLLING STONE 07/04 (3.5 Sterne)

Dayna Kurtz Beautiful Yesterday

Dunkles Timbre, sehnsuchtsvolle Songs, berührende Melancholie

Das Timbre ist rauchzart bis pechschwarz, die Begleitmusiker zumeist prachtvoll, das Fremdmaterial immerhin wohl selektiert, auch die eigenen Songs funktionieren. Der erste, „Music Box“, tönt nur in Kofferradioqualität, zusätzlich unterlegt mit angeblichem Vinyl-Geknister. Weil es sich bei dem Tonträger aber um eine CD handelt, soll dadurch wohl die Sehnsucht und das Originäre betont werden. Die schlechten alten Zeiten eben, aber kurz darauf ist digital trotzdem wohl wieder besser. „And if I could say one thing/ I’d tell time that he’s a bas- tard“, singt Dayna Kurtz bitter. „I get high/ Then I get low“, klagt die Sängerin kurz darauf in „Love Where Did You Go“, das mit seinem kraftvollen Jazz-Arrangement zu den besten Stücken des Albums gehört. Die Liebe, sie ist nicht aufzutreiben. Es folgen einige Cover-Versionen. „Those Were The Days“ wird mit Zigeuner-Folk unterlegt und lebt hauptsächlich von Todd Reynolds Violinenspiel – da ist sie dann wieder, diese Sehn- sucht. Leonard Cohens „Everybody Knows“ erfährt ebenso eine angemessene Würdigung wie der alte Prince-Heuler „Joy In Repetition“. Duke Ellingtons „I Got It Bad“ können dagegen kann weder sie noch Gastsängerin Norah Jones viel hinzufügen, aber „Amsterdam Crown“ und „Parlez-moi d’Amour“ sind epische, herzerweichende Interpretationen. Irgendwo auf derselben Etage wohnen wohl Mary Gauthier, Mary Coughlan und auch  Marianne Faithfull. Die Liner Notes sind selbstredend voll des Lobes: „Her voice is so rich, the tone so dark, that there is a moment in every song, where you could be listening to a man or a woman.“ Nicht weit von der Wahrheit entfernt, was die englische Herzbuchautorin Haven Kimmel schreibt. Das Titelstück kommt ganz zum Schluss, die Kurtz ist wieder in der sinistren Melancholie von „Music Box“ angekommen: „Beautiful yesterday.../ Your flowers are dying/ And I’m dying too/ Beautiful yesterday/ I’m dying for you“. Berührend. (Munich)       Gerrit Pohl

 

 

STEREO 07/04

Dayna Kurtz

Beautiful Yesterday

 

Sie hat nur wenige Songs für dieses Album geschrieben, aber die sind so großartig wie die Vorlagen derer sie sich so kongenial bis zu dem Punkt bemächtigt, dass das eigentlich ihre eigenen Songs werden. „Love Where Did You Go“ etwa ist nicht weniger als ein Instant Classic von derselben Größe wie „St.James Infirmary“ und der Titelsong das so ziemlich verführerischste, sinnlichste Stück Nostalgie seit Menschengedenken. Mit ihrem rauchigen Alt singt sie Edith Piaf, Leonard Cohen und Duke Ellington, wie Sie es ganz sicher noch nie gehört haben! (Franz Schöler)

Musik-Check:  *****

Hifi-Check:                   ****   

 

 

www.gaesteliste.de

Dayna Kurtz - Beautiful Yesterday

Munich Records/Indigo

Format: CD

Es ist schon folgerichtig, dass ein Aufkleber auf der Scheibe prangt, der auf Norah Jones' Gast-Auftritt hinweist. Warum sollte nicht auch einmal Dayna Kurtz etwas von dem Kuchen abbekommen, an dem ihre berühmtere Kollegin schon seit einiger Zeit knabbert? Immerhin ist das Genre, dem sich Dayna verpflichtet fühlt - die gediegene, jazzig inspirierte Ballade -, ja auch jenes, auf dem sich die Tochter von Ravi Shankhar tummelt. Dayna Kurtz ist eine begnadete Geschichtenerzählerin mit einer beeindruckenden Stimme und der Fähigkeit, in ihren Songs alternative Welten zu kreieren, die an Glaubwürdigkeit kaum Wünsche offen lassen. Vielleicht ist sie gerade deswegen auf dieser Scheibe auch als Interpretin besonders erfolgreich. Wie eine Schauspielerin, die das, was sie spielt, schon mal selber erlebt hat, greift sie sich Songs wie Leonard Cohens "Everybody Knows", Mary Hopkins' alte Paule McCartney-Nummer "Those Were The Days", Eszter Balints "Amsterdam Crown" oder das Ur-Chanson "Parlez-moi d'amour" (auf französisch vorgetragen) und lässt diese nicht mehr los, bis sie zu ihren eigenen geworden sind. Daneben überzeugt sie mit eigenen Songs in der gleichen Tonlage, die indes mehr in Richtung Blues und Jazz schielen, als noch die ihres Debüt-Albums "Postcards From The Edge" - was aber auch Sinn macht, denn die Performerin Dayna Kurtz braucht die intime Enge balladesker Szenarien, um sich voll und ganz entfalten zu können. (Wovon man sich übrigens z.B. auf ihrer DVD "Postcards From Amsterdam" überzeugen kann)

-Ullrich Maurer-